Jedem Obdachlosen ein Hotelzimmer, um Leben zu retten!
#hotelsforhomeless

05. Mai 2021

Vor sechs Monaten, im November 2020, haben wir unser Gemeinschaftsprojekt #hotelsforhomeless gestartet. Es war kalt und der zweite pandemiebedingte Lockdown startete.

Das waren anfangs unsere Ziele:

1. Obdachlosen Menschen ein Dach über den Kopf und einen warmen Schlafplatz im leerstehenden bedpark Altona zu ermöglichen, damit sie geschützt vor Corona und Kälte durch diese schwere Zeit kommen.
2. Der Politik und Gesellschaft zeigen, wie ein Weg aus der Wohnungs- und Obdachlosigkeit gelingt und welchen positiven Einfluss dabei ein Zuhause auf ein geregeltes Leben hat.
Und im Leben unserer 20 Gäste hat sich in dieser Zeit einiges verändert:
Gesundheit
  • ALLE haben ihren Gesundheitszustand verbessert, sind zur Ruhe gekommen und waren geschützt vor Corona & Kälte. Für 12 Personen hat sich die Gesundheit sogar erheblich verbessert.
  • 16 Personen wurden gesundheitlich durchgecheckt.
  • Derzeit sind 18 Personen, nach eigenem Wunsch, an einen Sozialarbeiter angebunden.
Wohnung
  • 8 Personen haben eine Wohnung gefunden. Damit haben 40 Prozent unserer Gäste durch das Projekt ein Dach über den Kopf erhalten.
  • Für 4 Personen gibt es eine Überbrückungsmöglichkeit durch das Anmieten eines Zimmers im Hotel über das Jobcenter.
  • 2 Personen konnten aus gesundheitlichen Gründen noch über den Monat Mai anderweitig untergebracht werden.
Job
  • 5 Personen haben einen Job gefunden.
  • 10 Personen haben Anspruch auf Sozialleistungen und erhalten diese auch aktuell.
Trotz dieses messbaren Erfolgs mussten am vergangenen Freitag 6 Personen wieder zurück auf die Straße. 2 Personen davon haben diesen Weg freiwillig gewählt.
Unser nächstes Ziel ist #homesforhomeless:

08. November 2021

Die Stadt Hamburg reagiert – #hotelsforhomeless jetzt offiziell in unserer Hansestadt:

„Schon lange fordern Verbände, Hilfsorganisationen und Vertreter der Kirche, dass sich Hamburg beim Winternotprogramm menschlicher zeigt und eine Strategie entwickelt, um Menschen von der Straße in Wohnungen zu bekommen. Jahrelang versuchte die Stadt beim Winternotprogramm wenig Komfort zu bieten. Das Ziel war klar: Möglichst unattraktiv wirken, damit keine weiteren Obdachlosen nach Hamburg kommen. Jetzt der Paradigmenwechsel.“
Hamburger Morgenpost

Paddys Weg: Einzug ins Hostel

Paddys Weg: Gute Nachricht!

Paddys Weg: Das Wiedersehen nach knapp fünf Monaten im Hostel.

Jan ist einer unserer Gäste in der Hamburger Jugendherberge – und er hat eine immense Herausforderung.

Andrzej ist draußen auf der Straße während der Winterkälte eingeschlafen. Als er aufwacht, ist nichts mehr wie zuvor.

4. Februar 2021: Im Wetterbericht werden bis zu Minus 15 Grad für die kommenden Nächte vorhergesagt. Dann handeln wir gemeinsam mit der Jugendherberge und machen einfach…

© Videos: Anke Gehrmann

Herberge für obdachlose Menschen in Hamburg seit 8. Februar | #hotelsforhomeless 

Am 8. Februar kommen unsere ersten obdachlosen Gäste in der Hamburger Jugendherberge an.

Das sind Alexandru, Ehsan, Jonas, Manuel, Mike, Paul-Constantin, Pawel, Robert, Sascha und Silvia. Sie gehören zu den 45 Personen, die bis Anfang März vor Corona & Kälte in der von uns angemieteten Hamburger Jugendherberge geschützt sind.

© Fotos: Halszka Nazarczuk

Wir dachten, wieso nicht einfach in dieser verrückten Zeit verrückte Dinge starten. Daher haben wir seit Anfang November 2020 für 20 obdachlose Menschen eine warme und geschützte Unterkunft im Hostel bedpark in Altona geschaffen. Dann kam der krasse Wintereinbruch Anfang Februar 2021 und wir mussten einfach handeln. Daher nahmen wir weitere 45 Personen in die Jugendherberge „Auf dem Stintfang“ nahe den Landungsbrücken unkompliziert auf, um sie zunächst vor dem Kältetod zu bewahren und anschließend zu schützen. Sie konnten dank eurer großartigen Unterstützung bis Anfang März bei uns bleiben

Die Unterbringung in der Jugendherberge „Auf dem Stintfang“ wurde gemeinsam umgesetzt von Hanseatic Help e.V. und StrassenBLUES e.V.. Das Projekt „bedpark Altona“ wurde ermöglicht durch die Gemeinschaftsaktion von Hamburger Gabenzaun e.V., Hanseatic Help e.V., JesusCenter e.V., Pfand gehört daneben und StrassenBLUES e.V..

Aus #hotelsforhomeless wird #homesforhomeless = #HousingFirstHamburg

Damit wir obdachlosen Menschen – wie Paddy – langfristig ein geschütztes Zuhause ermöglichen können, freuen wir uns weiterhin über eure Unterstützung! #homesforhomeless ist an das Modell „Housing First“ angelehnt und funktioniert so: Statt obdachlose Menschen provisorisch mit Notunterkünften und Lebensmitteln zu versorgen, erhalten sie eine Wohnung. Diese ist an keine Bedingungen geknüpft und dient als Schritt zurück in die Selbstständigkeit. In Finnland oder den USA wird dieser Ansatz bereits erfolgreich praktiziert. Zusammen mit Experten:innen aus der Sozialarbeit sind wir dabei, ein Konzept für die Hansestadt auszuarbeiten.

Hier kannst du uns für #homesforhomeless direkt unterstützen: www.homesforhomeless.de
DANKE für deine Hilfe! ❤️

Zum ersten Shutdown im März 2020 haben wir dies hier veröffentlicht

„Abertausende Hotelbetten stehen in den Städten gerade leer, während zur gleichen Zeit 50.000 Obdachlose in Deutschland in akuter Lebensgefahr sind.“ Jörg Richert (Sozialarbeiter bei KARUNA e.V., Berlin)

„Sie können nicht ´zu Hause bleiben´, denn sie haben schlichtweg kein zu Hause. Sie können sich – und damit auch uns alle – nicht vor Infektionen schützen. Sie brauchen unseren Schutz! Eine schnelle Unterbringung von obdachlosen Menschen, verbunden mit einer adäquaten medizinischen Betreuung, ist jetzt zwingend erforderlich!“ Dr. Levke Sonntag (Ärztin beim ArztMobil, Hamburg)

„Als Gesellschaft haben wir eine Verantwortung für obdachlose Menschen! Obdachlose Menschen sind besonders vom Coronavirus und dessen Auswirkung betroffen.Viele der Maßnahmen, die sich an die allgemeine Bevölkerung richten – Selbstisolierung, erhöhte Hygiene, Zuhause bleiben, strikte soziale Distanzierung – sind keine realistische Perspektive für Menschen, die obdachlos sind. Wir müssen jetzt handeln und obdachlose Menschen in Hotels unterbringen und sie schützen.“ Johan Graßhoff (Straßensozialarbeiter in Hamburg)

In diesen Zeiten ist Mitmenschlichkeit wichtiger denn je. Gerade während dieser Krise dürfen wir die Schwächsten unserer Gesellschaft nicht vergessen. Obdachlose sind durch die Corona-Pandemie besonders gefährdet. Die meisten Menschen ohne festen Wohnsitz leiden durch das Leben auf der Straße unter diversen, oft unbehandelten Vorerkrankungen und unter einem sehr geschwächten Immunsystem. Sie benötigen unseren Schutz.

In der aktuellen Situation ist ein Großteil der ehrenamtlichen und hauptamtlichen Infrastruktur zur Versorgung der Obdachlosen eingebrochen. Notunterkünfte mit Dutzenden Menschen auf engstem Raum bieten keinen erforderlichen Mindestabstand und passende Rückzugsmöglichkeiten.

Eine Ausbreitung des Virus unter den Obdachlosen wird fatale Folgen mit sich ziehen.

Wenn die Länder und Kommunen nicht innerhalb der nächsten Tage handeln, wird der Tod von tausenden, wohnungslosen Menschen in Kauf genommen. Deshalb fordern wir:

Jedem Obdachlosen ein Hotelzimmer, um Leben zu retten !

Wie soll #hotelsforhomeless aussehen?

Berlin, Mainz und Frankfurt haben bereits den Anfang gemacht: Obdachlose Menschen werden bundesweit dezentral in Einzel- oder Doppelzimmern in Hotels, Hostels oder Jugendherbergen untergebracht. Diese stehen momentan leer. Betreut werden die Menschen in den Hotels von einem sozialen Träger. So können auch einzelne Etagen im Ernstfall zu Quarantänestationen werden. Dabei ist es wichtig, dass in jedem Gebäude neben Sozialarbeitern auch Ärzte anwesend sind, um die medizinische Versorgung der Obdachlosen zu gewährleisten.

Allen Betroffenen, die das Angebot annehmen wollen, muss kurzfristig und unbürokratisch geholfen werden. Die finanziellen Mittel müssen durch die jeweiligen Länder und Kommunen bereitgestellt werden.

Welche Großstadt hilft während der Corona-Krise bereits mit wie vielen Plätzen in Hotels / Hostels / Jugendherbergen?

StadtAnzahl  Quelle 
Berlin:bis zu 400 Plätze1 / 2 / 3
Hamburg: 250 Plätze für 4 Wochen1 / 2
München: 
Köln: 
Frankfurt: bis zu 55 Zimmer1
Stuttgart: 0
Düsseldorf:175 Plätze1 / 2
Leipzig: 0
Dortmund: 0
Essen: 0
Bremen:0
Dresden:0
Hannover:100-200 Plätze1 / 2
Nürnberg:0
Duisburg:0
Bochum:0
Wuppertal:0
Bielefeld:0
Bonn:0
Münster:0
Mainz:30 Plätze1 / 2

Stand: 12.05.2020

Wie kannst du #hotelsforhomeless in deiner Stadt unterstützen?

Ohne die Unterstützung der jeweiligen Kommunen und Sozialbehörden funktioniert nichts. Deshalb müssen wir die zuständigen Personen zur Stellungnahme bitten. Kontaktiere deine Sozialbehörde und rufe zur sicheren Unterbringung obdachloser Menschen in deiner Stadt auf.

Hier findest du eine Tabelle mit den Ansprechpartnern in deiner Stadt zu unserem Thema. Wir aktualisieren dieses Dokument fortlaufend.

Bitte nimm dir einen kurzen Augenblick und unterstütze zudem die Petition von GoBanyo, Hamburger Gabenzaun e.V., Leben im Abseits e.V. und einigen Privatpersonen: unterzeichne die Petition.

Und teile sehr gerne unsere Bilder von Volker, Joachim, Paddy und weiteren Obdachlosen in den sozialen Medien und benutze die Hashtags #hotelsforhomeless und #letmebesafe.

Auf www.letmebesafe.org informieren wir dich umfassend über Lösungsansätze für Obdachlosigkeit („Recht auf Wohnen“) – schau mal vorbei! 🙂

© Eine Aktion während des ersten Shutdowns im März / April 2020 von StrassenBLUES e.V. & Pfand gehört daneben | Fotos: David Diwiak | Logo: Ben Pehl | Social Media: Nikolas Migut & Vanessa Gobert | Aktions-Team: Anna-Katharina Huber & Katharina Übel | Leitung: Nikolas Migut & Pascal Fromme