+++ Pressemitteilung +++

31 wohnungslose Menschen ohne Sozialleistungsbezug untergebracht:
StrassenBLUES zieht ehrliche Bilanz zu „Homes for Homeless“

Hamburg, 11. September 2026 – Zum heutigen Tag der wohnungslosen Menschen zieht StrassenBLUES e. V. Bilanz zu seinem Pilotprojekt Homes for Homeless. Von Mai 2023 bis April 2026 begleitete der Hamburger Verein 31 wohnungslose Menschen ohne bestehenden Leistungsbezug auf dem Weg in eine eigene Wohnung, gefördert von der Stiftung Deutsches Hilfswerk / Deutsche Fernsehlotterie. StrassenBLUES benennt dabei nicht nur die Erfolge, sondern ebenso offen die Grenzen des Projekts. Mit den gewonnenen Erkenntnissen richtet sich der Verein neu aus: Der nächste Schritt heißt Armutsprävention, mehr dazu unter armutspraevention.de.

Wohnraum zuerst, für die, die durch jedes Raster fallen

Homes for Homeless orientierte sich am international bewährten Prinzip „Housing First“: erst eine eigene Wohnung, dann alles andere. Die Zielgruppe war bewusst gewählt: wohnungslose Menschen, die noch keinen Zugang zu staatlichen Leistungen hatten, darunter wohnungslose EU-Bürger und EU-Bürgerinnen, die bereits seit mindestens fünf Jahren in Deutschland lebten. Eine Gruppe, die von bestehenden Hamburger Housing-First-Angeboten kaum erreicht wird. StrassenBLUES mietete Wohn-, Monteur- und Hostelzimmer an und übernahm übergangsweise die Miete, während ein Team aus Sozialarbeit und Wohnraumakquise die Teilnehmenden bis zu zwölf Monate lang begleitete, von der ersten Antragstellung bis zur eigenständigen Anschlusswohnung.

Nikolas Migut, 1. Vorsitzender von StrassenBLUES e. V., erklärt:
„Housing First ist ein guter Kompass: erst
eine eigene Wohnung, dann alles andere. Aber die klassischen Angebote erreichen kaum Menschen ohne Zugang zu Sozialleistungen, unsere Zielgruppe bei Homes for Homeless. Genau da mussten wir eigene Wege finden und haben dabei auch gelernt, wo die Grenzen eines kleinen Vereins liegen, mietrechtlich und bei der Frage, was echte Perspektive überhaupt bedeutet. Diese Lernkurve nehmen wir mit in unsere neue Ausrichtung: weg von der Nachsorge, hin zur Prävention. Wir wollen ansetzen, bevor Menschen ihre Wohnung verlieren, nicht erst danach.”

Wirkung, die sich zeigt, wenn Begleitung lange genug anhält

Ursprünglich für 20 Personen geplant, nahm das Programm am Ende 31 Menschen auf, eine Ausweitung,
die der Förderer selbst gegen Ende der Laufzeit anregte. 20 Teilnehmende blieben länger als drei Monate im Programm, 13 länger als sechs Monate. In dieser Gruppe zeigt sich die deutlichste Wirkung: 54 Prozent (7 von 13) fanden Erwerbsarbeit, 46 Prozent (6 von 13) wechselten in weiterführenden Wohnraum. Insgesamt wurden 7 Personen erfolgreich in den Bürgergeld-Bezug geführt. Über das Vorgängerprojekt Hotels for Homeless hinweg hat StrassenBLUES seit November 2020 damit insgesamt 149 Menschen in Wohnraum vermittelt.

Ehrliche Bilanz: Was nicht funktioniert hat

Zu einer vollständigen Auswertung gehört auch, was schwierig war: 12 der 31 aufgenommenen Fälle endeten als Abbruch. Zwei Learnings wiegen dabei besonders schwer.

Das erste betrifft das Mietrecht: Mit allen Programmteilnehmenden gab es eine klare vertragliche Vereinbarung zur Nutzung der Wohnung, befristet auf die Projektlaufzeit. Nach deren Ablauf weigerte eine Person sich dennoch, die Wohnung zu verlassen. Der Vertrag half an dieser Stelle nicht mehr: Nach wenigen Wochen Aufenthalt hatte sie im Sinne des deutschen Mietrechts bereits ein eigenständiges Wohnrecht erlangt, das stärker wog als die getroffene Vereinbarung. In der Folge musste der Vermieter selbst tätig werden und über Monate hinweg rechtliche Schritte einleiten, um die widerrechtlich weiter genutzte Wohnung zurückzuerhalten. Eine Auseinandersetzung, die auch StrassenBLUES als Untermieter belastete. Für alle Folgeprojekte dieser Art gilt seither: Die mietrechtliche Konstruktion der Unterkunft muss vor Projektstart verbindlich geklärt sein.

Das zweite Learning betrifft den Weg aus der Wohnungslosigkeit selbst: Menschen ohne
Bürgergeld-Anspruch brauchen zwingend gut, statt prekär, bezahlte Erwerbsarbeit, um sich dauerhaft eine Wohnung leisten zu können. Oft ist es sogar einfacher, einen Job zu finden, als auf die Bewilligung des Bürgergelds zu warten, weil dafür über Monate hinweg Dokumente nachgereicht werden müssen. Ohne diese Brücke bleibt jede Unterkunft eine Zwischenlösung ohne Perspektive, eine Erkenntnis, die auch für die Weiterentwicklung von Housing-First-Ansätzen in ganz Deutschland relevant sein dürfte, insbesondere für die wachsende Gruppe von EU-Bürger und EU-Bürgerinnen ohne Leistungsanspruch.

Tag der wohnungslosen Menschen: Der nächste Schritt heißt Prävention

Homes for Homeless war als Pilotprojekt angelegt, um anderen Trägern den Weg zu ebnen. Dieser Anspruch ist eingelöst: Die Erfahrungen zu mietrechtlichen Risiken und zur Zielgruppe ohne Leistungsbezug fließen in die Weiterentwicklung der Hamburger Wohnungslosenhilfe ein. Wie dringend das ist, zeigt die aktuelle Zahlenlage: Nach der jüngsten Hochrechnung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e. V. waren 2024 bundesweit mindestens 1.029.000 Menschen wohnungslos, ein Höchststand mit weiter steigender Tendenz. Auch auf europäischer Ebene ist Prävention seit Mai 2026 politische Priorität: Mit ihrem Sozialplan hat die EU-Kommission ihre erste Strategie zur Armutsbekämpfung sowie eine Empfehlung gegen Wohnungsausgrenzung vorgelegt, mit dem erklärten Ziel, Obdachlosigkeit zu verhindern, bevor sie entsteht. Genau in diesem Monat ist StrassenBLUES mit dem Beteiligungsprojekt StrassenHILFE im öffentlichen Raum aktiv geworden, in benachteiligten Hamburger Stadtteilen, lange bevor Menschen ihre Wohnung verlieren.
StrassenBLUES selbst schließt das Programm Homes for Homeless nun ab und setzt konsequent früher an: mit Armutsprävention statt Nachsorge, unter armutspraevention.de. Der Tag der wohnungslosen Menschen am 11. September ist für StrassenBLUES deshalb auch ein Anlass, die eigene Neuausrichtung öffentlich zu machen: Der nächste Schritt ist früher.

Neuer Fokus Armutsprävention bei StrassenBLUES: armutspraevention.de

Über StrassenBLUES e. V.:
Seit 2016 setzt sich StrassenBLUES e. V. in Hamburg für Menschen ein, die von Armut betroffen oder bedroht sind. Ursprünglich in der Wohnungslosenhilfe verwurzelt, hat sich der Verein konsequent zur Armutsprävention weiterentwickelt: Mit Projekten wie StrassenHILFE, StrassenKLUB und der Veranstaltungsreihe “Hamburg zusammen” setzt StrassenBLUES dort an, wo Menschen noch nicht, aber bald ihre Wohnung verlieren könnten.