Volker, 61, obdachlos | „Für mich war die Fotografie etwas Schönes in einer Zeit, die nicht schön war. Meine Insel.“

Das wäre sein Traum: ein Wohn- und Lebensraum, wo man Krach machen kann, wie man will.

„StrassenSILVESTER“ – das sind Fotos der vergangenen Silvesternacht, die Wohnungs- und Obdachlose mit Einwegkameras gemacht haben, um IHREN Jahreswechsel in der Hansestadt festzuhalten. Entstanden sind ganz persönliche, intime Eindrücke, die die „Künstler“ vor Ort mit einfühlsamen Interviews und Texten präsentieren.

Seit dem 8. August 2017 ist unsere Fotoausstellung in Hamburg in der Barclyacard für einen Monat zu sehen. Auf dieser Seite stellen wir unsere fotografierenden Wohnungs- und Obdachlosen vor und freuen uns auf Euch als Besucher der Ausstellung. Falls ihr uns mit einer Spende unterstützen möchtet, um solche ehrenamtlichen Aktionen möglich zu machen, dürft ihr das hier gerne tun.

Euer StrassenBLUES-Team

Einige Eindrücke für Euch von unsere Foto-Ausstellung StrassenSILVESTER am 8. August 2017.

Faketa, 44, wohnungslos | „Andere gehen in die Show und wir betrachten das von draußen und stellen uns vor, wie das wäre. Man beobachtet die Menschen in einem Leben, das man selbst gern gehabt hätte.“

Ihr größter Wunsch an Silvester: „In Frieden leben zu können. Frieden ist das Wichtigste, das braucht jeder. Im Moment gibt es so viel Hass auf Flüchtlinge, auch in unseren Kreisen wird so viel geschimpft. Da fühle ich mich angesprochen, denn ich habe einen Migrationshintergrund. Doch niemand verlässt freiwillig seine Heimat. Und das, was mir passiert ist, kann jedem passieren.“ Ein zweiter großer Wunsch wäre ein Wellnesstag, ein Besuch im Hamam zum Beispiel, einmal nicht draußen stehen.

Horst, 61, wohnungslos | Manchmal schläft er bei einer guten Freundin, der es nicht so gut geht. Sie hat oft Angst überfallen zu werden. “Und wenn du da bist”, sagt sie, “dann habe ich keine Angst”.

Für 2017 wünscht sich Horst Turnschuhe in Größe 43. Und sehr gern noch mal eine Saisonkarte für die Schlittschuhbahn von Planten un Bloomen.

Margareta, 69, wohnungslos | „Ich habe einfach kein Glück gehabt“, sagt sie und lächelt wieder. 

Ihre Wünsche für dieses Jahr sind:
– Zugang zu Konzerten für Menschen mit geringem Einkommen, vielleicht sogar in die Elbphilharmonie
– ein gebrauchtes Fahrrad, bei dem die Gänge funktionieren, oder eine Reparatur für ihr Fahrrad
– oder einen Besuch im Hamam zusammen mit ihrer Freundin Faketa
– oder ein Eintritt ins Miniatur-Wunderland
– oder eine neue Winterjacke

Bernhard, 50, obdachlos | Als er diesmal aus der Klinik kommt, handelt er aus einem Impuls heraus: „Ich muss hier weg, sonst schaff ich es nie!“

Eigentlich wünscht sich Bernhard nichts mehr, als in ein geregeltes Leben zurückzukehren. Er hat noch nicht aufgegeben.

Petra, 48, bis vor kurzem obdachlos | Sie schaut den Menschen immer in die Augen und lacht, wenn sie „Guten Tag“ sagt, obwohl es gerade bei Minusgraden „nichts zu lachen gab“.

Ein großer Wunsch für Petra und Andi wäre eine Waschmaschine im neuen Haus.

Andi, 50, bis vor kurzem obdachlos | Ich habe mich auf jemanden verlassen und wenn du dich auf jemanden verlässt, dann bist du verlassen.“

Ein großer Wunsch für Andi und Petra wäre eine Waschmaschine im neuen Haus.

Wir möchten der Barclaycard ganz herzlich danken, ohne die StrassenSILVESTER nicht möglich wäre:

Wir werden dabei unterstützt durch: Fotoentwicklung, Fotorahmen, Eröffnungsveranstaltung und die Ausstellungs-Räumlichkeiten für einen Monat.

Vielen Dank an unseren Sponsor der Einwegkameras:

Einen besonderen Dank an das Jesus Center e.V. Café Augenblicke, die uns mit ihrem Netzwerk und ihren Räumen unterstützt haben, um StrassenSILVESTER umzusetzen.

© Künstler von der Straße: Bernhard, Faketa, Graham, Horst, Margareta, Volker und Petra & Andi
© Porträt-Fotos & Umsetzung: David Diwiak | Reportage-Fotos & Texte: Katharina Meßmann | Koordination & Redaktion: Nikolas Migut
© Event-Fotos vom 8.8.2017: Katharina Meßmann & Tobias Greber

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