StrassenHILFE – bevor du wohnungslos wirst

Der Moment davor

Wohnungslosigkeit kommt selten über Nacht. Meistens gibt es einen Moment davor. Eine gekündigte Wohnung. Eine verlorene Arbeit. Eine Beziehung, die zerbricht. Über eine Million Menschen waren 2024 in Deutschland wohnungslos — und die EU-Kommission fordert in ihrer neuen Armutsstrategie genau das, was noch fehlt: Frühwarnsysteme, die eingreifen, bevor jemand auf der Straße landet. Einen Moment, in dem noch etwas möglich wäre; in dem das richtige Gespräch, die richtige Information, der richtige Kontakt den Unterschied machen kann.

Genau diesen Moment wollen wir erreichen.

Impressionen unseres Events in der Hafencity, 23.05.2026

Was wir tun

StrassenHILFE bringt Prävention dorthin, wo Menschen sind: in Stadtteile, in denen Armut nah ist. Nicht in Beratungsstellen. Nicht in Behörden. Sondern in den öffentlichen Raum.

An unseren Veranstaltungen kommen zwei Dinge zusammen: Offenheit und Substanz.

Die Offenheit entsteht durch Mitmach-Musik und -Kunst: niedrigschwellig, ohne Voraussetzung. Wer neugierig ist, kommt dazu.

Die Substanz bringen die Peers. Menschen, die selbst Wohnungslosigkeit erlebt haben. Ihr Wissen ist kein theoretisches, es ist gelebte Realität. Pro Veranstaltung sind meist zwei Peers dabei, die auf Augenhöhe sprechen und zeigen: Es gibt einen Weg heraus. Und vor allem: Es gibt einen Weg, gar nicht erst hineinzugeraten.

Ergänzend gibt es ein Präventionsquiz. Wer möchte, kann anonym einschätzen, wie gefährdet die eigene Situation ist; und bekommt konkrete Hinweise auf Hamburger Hilfsangebote. Sozialarbeitende sind direkt vor Ort.

Im Pilotprojekt: Etwa fünf Veranstaltungen in benachteiligten Hamburger Stadtteilen.

Ein Pilotprojekt – transparent und lernend

StrassenHILFE ist kein fertiges Programm. Es ist ein Experiment mit einer ehrlichen Frage: Was hilft wirklich, wenn wir Menschen vor Wohnungslosigkeit schützen wollen?

Wir messen, was wir können. Wir fragen nach. Wir scheitern an manchen Stellen – und lernen daraus. All das teilen wir offen: mit Förderern, Fachleuten, Nachbarschaftsinitiativen und anderen Organisationen.

Diese Seite wächst mit dem Pilotprojekt. Nach jeder Veranstaltung dokumentieren wir, was funktioniert hat und was nicht. Was wir verändert haben. Und warum.

Transparenz ist keine Schwäche. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass aus einem Pilotprojekt etwas Bleibendes wird.

Dein Feedback

Du arbeitest in der Sozialen Arbeit, der Stadtentwicklung, der Wissenschaft oder du hast selbst Erfahrung mit Armut oder Wohnungslosigkeit? Wir freuen uns über Rückmeldungen, Hinweise und kritische Fragen. Was siehst du, was wir übersehen?

Kontakt zu StrassenBLUES

UNSERE LEARNINGS (fortlaufend dokumentiert)


„Hamburg zusammen“ ist in diesem Jahr bewusst als Pilotprojekt angelegt. Wir probieren aus, messen die Wirkung und lernen bei jedem Event dazu. Was funktioniert? Was überrascht uns? Was wollen wir beim nächsten Mal anders machen? Diese Fragen begleiten uns durch die gesamte Eventserie. Die Antworten darauf teilen wir hier offen, weil wir das Format langfristig so aufbereiten wollen, dass andere Organisationen solche Dialogräume und Ansätze zur Armutsprävention in ihrem Stadtteil oder ihrer Stadt umsetzen können.

Hafencity – in Kooperation mit dem DOCK der KWB-Stiftung

Samstag, 23. Mai 2026

  • Sich an ein bestehendes Event anzudocken lohnt sich normalerweise: das Publikum ist bereits da.
  • Die Zielgruppe war fast ausschließlich armutsbetroffen, viele bereits wohnungslos. Das macht die Location ungewöhnlich für das Wohn-Quiz als Frühwarn-Tool – und die Peers (ehemals Wohnungslose) waren unterbeschäftigt.
  • Wir standen etwas abseits vom Festival-Laufpublikum. Deutlich weniger Menschen haben mitgemacht als erwartet.
  • Richtig gut hat das gemeinsame Musizieren geklappt: viele schnappten sich spontan ein Instrument und blieben länger an unserem Stand.
  • Teilnehmende: ca. 70-80
  • Nächste Schritte: Versuchen, unser Projekt an bestehende Events anzuschließen / Jonglage als zusätzliches Aufmerksamkeitstool einbauen / Interessensvertreter der zukünftigen Bezirke frühzeitig kontaktieren

Bergedorf

Sonntag, 7. Juni 2026

  • Mitmach-Musik ist unverzichtbar, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.
  • Das Wetter entscheidet mit: In der ersten Stunde Nieselregen, kaum Publikum.
  • Nur ein Peer vor Ort, der sich vereinzelt gut einbringen konnte.
  • Die Ansprache von Passantinnen und Passanten braucht Fingerspitzengefühl: Mal ist es ein Gespräch, mal eine Aktion, mal nur ein Flyer – oder ein kurzes Lächeln.
  • Multiplikator-Effekt: Mehrere Teilnehmende nahmen Infomaterial für betroffene Bekannte mit. So erreichte das Hilfsangebot auch Menschen, die nicht vor Ort waren.
  • Wirkungsmessung gelingt am besten, wenn jemand bereits an einem unserer Tische malt oder gerade musiziert hat – und nicht nur stehend am Wohn-Quiz teilnimmt. Dann lässt sich der Fragebogen gemeinsam und natürlich durchführen.
  • Teilnehmende: ca. 90-100
  • Nächste Schritte: Alternativen finden für regnerische Wetterlage / Ansprache gegenüber Passanten und Passantinnen besser vorbereiten, Team sensibilisieren / Durchführung Wohn-Quiz mit Wirkungsmessung besser verzahnen / Genehmigung der Sondernutzung beim Bezirk früher anstoßen

Was wir aus dem Dialograum Bergedorf mitnehmen:
Das „Sterben“ der Innenstadt und der Wandel des Einzelhandels bewegen die Menschen. Der Megabau Oberbillwerder polarisiert. Und das Thema Wohnen und Verdrängung ist sehr präsent: Menschen, die seit Jahrzehnten in Bergedorf oder Lohbrügge leben. Seniorinnen und Senioren, die sich verkleinern wollen, junge Erwachsene, die ihre erste eigene Wohnung suchen, finden kaum noch bezahlbaren Wohnraum.

© Aktions-Team: mehrere Peers / ehemals obdachlose Personen | Sozialarbeit: Nils Kumar, Rick Stelter | Wirkungsmessung Studierende der Sozialen Arbeit | Event-Fotos: Jenny Bewer | Event-Videos: David Diwiak | Idee & Leitung: Nikolas Migut